What a Feeling!

Wer sagt, dass Chorkonzerte langweilig sind, sollte sich einmal mit den rund 160 Besuchern des Konzerts “Feeling – und mit viel Gefühl” austauschen. Sie waren so begeistert, dass der Applaus einfach nicht enden wollte und das gemeinsam gesungene Abschlusslied „Thank you for the music“ aus tiefsten Herzen kam. Dabei hatten die Besucher zu diesem Zeitpunkt schon gut 2,5 Stunden lang ein stimmungsvolles Unterhaltungsprogramm mit fünf Chören erlebt – mit vielen Emotionen, so wie es der Titel des Konzertes “Feeling – und mit viel Gefühl” versprach.

Im Vereinshaus in Gonzenheim organisierte der Gesangverein Eintracht Liederkranz 1842 Obereschbach am 9. Oktober 2016 diesen abwechslungsreichen Konzertabend. Die leuchtende “Feeling”-Dekoration kam im abgedunkelten Raum toll zur Geltung und schmückte die Bühne für die Auftritte der rund 100 Sänger- und Sängerinnen.  Die Chöre waren jeder für sich besonders, aber eins hatten alle gemeinsam: die Liebe zur Musik und die Begeisterung beim gemeinsamen Singen. Dieser Funke der Begeisterung sprang vom ersten Augenblick an auf das Publikum über.

Mit dem peppigen Rock’n Roll „At the hop“ eröffneten die Eschbach-Singers, der Popchor des Gesangsvereins, schwungvoll die Reigen. Sofort war das Publikum eingefangen und wippte auf den Sitzen mit. Das flotte Klaviersolo dazu von Ulla Veith-Köhler war sofort mitreißend. Aber auch sanfte  a cappella-Töne mit Rod Steward‘s „Sailing“ und „Scarborough Fair“ brachten die Eschbach-Singers stimmungsvoll und gekonnt intoniert unter der Leitung von Christine Danner rüber. Bei “I got a Feeling” wurde dann sogar gerappt, die passende Choreographie fehlte auch nicht. Schließlich gab dieser Song dem Abend sein Motto. Der Chor besteht seit etwa drei Jahren und hat sich zu einer festen Größe entwickelt.

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Eschbach-Singers

Der Frauenchor Choryfeen aus Burgholzhausen präsentierte unter der Leitung ihres neuen Chorleiters Ekki Voigt einen bunten Mix aus Pop-, Swing- und Filmmusik. Wurde bei dem rhythmisch anspruchsvollen Eigenarrangement von  „Natural Woman“ mit dem klangvollen ertönendem Refrain „you make me feel“ fasziniert gelauscht, klatschte das Publikum bei „Bei mir bistu sheen“ gleich begeistert mit und war danach wiederum gefangen von den gefühlvollen Klängen des in schwedischer Sprache gesungenen „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“.

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Choryfeen

Vom Frauenchor zu einem neuen Männerchor. Ja, richtig gelesen. Ein neuer Männerchor, und das heute, wo viele Männerchöre mit Mitgliederschwund zu kämpfen haben. Barbershop. Wie steht es auf einer Internetseite: “Wer bei diesem Begriff eher an Föne statt Töne denkt, liegt nicht falsch. Die Barbershops, die amerikanischen Friseur-Salons, waren Ende des 19. Jahrhunderts Orte geselliger Treffen, bei denen sich die Herren die Wartezeit gelegentlich mit spontan improvisierten Gesängen zu vertreiben wussten.“ Was Barbershop-Musik heute bedeutet, erklärte der neue Chor dem Publikum ganz pragmatisch bei der musikalischen Vorstellung von Lead, Tenor, Bariton und Bass-Stimmen mit vierstimmigem a cappella-Akkorden. Eine musikalische Herausforderung für die Sänger (und sogar zwei Sängerinnen), eine optische Augenweide für das Publikum und ein Chor-Ansatz, der sich definitiv lohnt weiter auszubauen! Auch dieser Chor übt unter der musikalischen Leitung von Christine Danner, die auch selbst mitsang.

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Barbershop

Holger Gröber moderierte den Abend launig und brachte die Zuschauer mit seinem rheinischen Humor immer wieder zum Schmunzeln. Sei es durch originelle Ansagen der Chöre oder durch kleine spontane Einlagen, wo aus einer Notwendigkeit eines Kleidungswechsels zwischen zwei Auftritten ein kleiner Gag entstand. Ja, man benötigt durchaus die praktische Hilfe der Ehefrau, wenn man sich der roten Barbershop-Hosenträger auf der Bühne spektakulär entledigen und dafür einen Chor-Schlips umbinden muss, während man Mikrofon hält und weiter den nächsten Act anmoderiert!

Und das war der gemischte Chor Ober-Eschbach unter der Leitung von Alexander Launspach. Nun kamen auch die Liebhaber von traditionellen deutschen Volksliedern auf ihre Kosten. „Erlaube mir feins Mädchen“, „Morgenwanderung“, „Wenn alle Brünnlein fließen“ und das „Wiegenlied“ gehörte eher zum Traditionsliedergut für einen klassischen Chorabend. Schöne klassische Lieder, die aber an diesem Abend wie ein leichter Stimmungsbruch wirkten, obwohl sie liebevoll intoniert waren. Doch dann schickten sie das Publikum mit dem humorvollen „Ich wollt, ich wär ein Huhn“ mit lustiger Einlage schmunzelnd in die Pause.

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Chor Ober-Eschbach

Flott und leicht starteten die Eschbach-Singers nach der Pause, wieder a cappella, mit dem Beatles Song „When I get older“. Auch Altstimmen brauchen bei den Eschbach-Singers nicht nur von der Leadstimme träumen, sondern sie setzten sie bei „Dream a little dream of me“ mit einem Augenzwinkern um, so dass man sich als Zuschauer wirklich in die 60-er Jahre zurück versetzt fühlte und an die Schmetterlinge im Bauch bei der erste Liebe dachte.

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Eschbach Singers (Dream a little dream)

Und dann folgte mit „Can you feel the love tonight“ Gänsehaut-Feeling und einer der Höhepunkte des Abends: Als Solist/in: Nuri Lutz und Jörg Kamke stimmlich, und optisch, glänzend. Bravo! Der Chor untermalte bei den Strophen und verstärkte mit Kontrapunkten im Refrain. Tolles Arrangement, absolut bühnenreife Interpretation. Eigentlich ein passender Abschluß für einen Konzertabend. Doch es ging weiter. Frech, und auf deutsch, gingen sie dann mit „Drück die eins“ von der Bühne und überließen das Rampenlicht einem weiteren Höhepunkt des Abends: den Tontauben, einem Jazz- und Popchor aus Weisskirchen. Es folgte eine Liederfolge mit englischem und deutsch-Pop, selbstbewusst vorgetragen, stimmlich fein abgestimmt von Mark Opeskin und gewürzt mit einer gehörigen Portion Humor.

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Tontauben

Wusste der Zuschauer bei der Intro mit „oui oui oui oui“ noch nicht, welches Lied jetzt kam, war es bei den ersten Worten „As I was going over the Cook and Kerry Mountains“ sofort klar: „Whiskey in the jar“, ein irisches Volkslied, beschwingt dargeboten. Dubliners, Santiano oder sogar Metallica haben es schon interpretiert. Das Publikum honorierte mit rhythmischem Klatschen. Weiter ging es ironisch zu den kleinen Vorfällen beim ersten „(Das) Rendezvous“, ebenfalls stimmlich bravourös intoniert. Romantisch erklang „I’ll be there“ (Jackson Fives), flott drehten sie mit Grönemeyers „Mambo“ für Stunden gestresst ihre Runde auf der Parkplatzsuche oder erklärten in „Lauch“, dass Sex überschätzt wird, und Lauch natürlich auch. Abgerundet wurde der Auftritt mit „A Cappella“ von Kirby Shaw, einem Lied, das unbedingt zu jedem Tontauben-Konzert gehört. Sie erreichten das Publikum und das Publikum dankte mit begeistertem Applaus.

So langsam neigte sich der Abend dem Ende zu, der Chor Ober-Eschbach betrat nochmal die Bühne mit dem wunderschönen Liebeslied „Die Rose“ – mit einem Text mit Tiefgang – und brachten wahrlich tiefe Gefühle zum Klingen. Ein Lied mit Nachhall. Mit den deutschen Schlagern und sehnsüchtigen Gefühlen „zwei(er) kleine(r) Italiener“ oder dem „Griechischen Wein“ ging es dann nach „Ade zu guten Nacht“ zum Finale.

Die Eschbach-Singers kamen zu dem Chor-Obereschbach auf die Bühne und es tönte sechsstimmig der Indianerruf „Evening Rise“ durch die Reihen.

Als zum Abschluss alle Sänger und Sängerinnen gemeinsam auf Bühne und an den Seiten zusammen mit dem Publikum das Lied „Thank you for the music“ sangen, waren sich alle einig: What a Feeling!

Resümee: Dies war ein richtig unterhaltsamer Konzertabend mit musikalischem Niveau, großer Bühnenpräsenz und Augenschmaus! So geht facettenreicher Chorgesang heute. Viele Gäste folgen sicherlich der Empfehlung von Andrea Stieneke-Gröber, der 1. Vorsitzenden des Gesangvereins Ober-Eschbach, sich den Muttertag 2017 (7. Mai 2017) für das nächste Konzert vorzumerken! Und wer Lust bekommen hat selbst mitzusingen, schaut einfach mal auf die Internet-Seiten der Chöre.

Die Choryfeen danken für die Einladung und dem Gesangverein Ober-Eschbach für die tolle Organisation dieses schönen Abends!

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